15.09.2017 Nanbu-Toji Brauereimuseum

Wo kommt die Stimme her? Was will sie von mir? Was mach ich jetzt bloß? Shit, ich verstehe nix! All das und noch einiges mehr schoss mir durch den Kopf, als ich um 7:06 Uhr unsanft geweckt wurde. Hintergrund der Geschichte ist eine Lautsprecherdurchsage – ich wusste gar nicht, dass Hotelzimmer sowas überhaupt besitzen – die mich aus allen Träumen riss. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte an eine Naturkatastrophe wie ein Erdbeben oder an einen Brand im Hotel. Aber da hätte das Bett wackeln müssen oder Sirenen heulen sollen. Nach 10 Minuten gab es dann was auf Englisch, was aber wegen Unkenntnis und Halbschlaf auch nicht vollständig verstanden wurde. Ein Blick auf den Flur brachte keine neuen Erkenntnisse, da niemand zu sehen war. Einmal wach, zogen wir uns an und gingen ganz normal zum Frühstück. Da lief alles normal ab. Ok dachten wir uns, werden wir nicht mehr rausbekommen, was los war. Bei der Sichtung der News im Internet bekamen wir dann doch die Lösung, der verrückte Kim aus Nordkorea hat seine Rakete über Japan geschossen. Nachdenklich macht mich meine Hilfslosigkeit in der Situation. Es hätte ja wirklich Gefahr bestehen können.
Jetzt aber zur schönen Seite des Tages:
Wie bereite ich mich auf den abendlichen Besuch beim Sushimeister vor? Ich werde da vielleicht, nein bestimmt, Sake trinken. Wie wird Sake hergestellt? Keine Ahnung. Also ab in ein Brauereimuseum. Schnell wurde das Internet bemüht. Die Stadt sollte ja auch neu sein für uns. Und die Entscheidung fiel auf das Nanbu-Toji Brauereimuseum in Ishidoriya-cho. Mit dem Shinkansen ging es von Sendai nach Morioka und dann mit dem Nahverkehr nach Ishidoriya-cho. Und wieder standen wir mitten in der Pampa. Etwas typisch Japanisches erlebten wir beim Besuch der Bahnhofstoilette. Toiletten gibt es übrigens auf jeder noch so kleinen Bahnhofsstation, immer sauber, kostenlos und Wasser zum Hände waschen. Was war nun das Erlebnis in Ishidoriya-cho? Der Sitz war mit rosa Plüsch überzogen, sowohl bei Männlein als auch bei Weiblein. Bezüglich Hygiene sage ich da lieber nix mehr. Wenn auch nur 10 Häuser unmittelbar am Bahnhof standen, gab es zumindestens ein kleines, typisch ländliches Restaurant. Ein Tee zur Stärkung schadet nie und eine kleine Portion Nudeln nach Hausfrauen-Art auch nicht. Also rein in die gute Stube. Unsere Erfahrungen aus 5 vorausgegangen Urlauben ließen uns nicht im Stich. Wir senkten zwar erwartungsgemäß rapide den Altersdurchschnitt. Der Geschmack des Essens, vom Koch mit bestimmt 50 Jahren Kocherfahrung, war schon super.
Nach der Stärkung ging es dann zum Brauereimuseum. Mit vielen Ausstellungsstücken, Schautafeln, einem kleinen Filmchen und einem englischen Guide, gab es eine Menge über die Sake-Herstellung zu erfahren. Hinterher ging es in einen Shop des Museums, wo es Sake und mit Sake hergestellte Produkte gab. Von mehreren verschiedenen Sachen konnte man vor dem Kauf probieren. Wir entschieden uns nur für das Testen. Aber dem Sakeeis konnten wir doch nicht widerstehen.
Dann ging es nach Morioka zurück. Zur Zeitüberbrückung schlenderten wir durch die Einkaufspassage im Bahnhof. Im Brillenladen mit deutschem Hintergrund testete Reik mehr aus Spaß Brillengestelle. Meistens passen die nicht zu einem europäischen Gesicht, da die Anatomie eines japanischen doch andere Proportionen hat. Es gab zwei, drei Gestelle, die gefielen. Dann verriet die Verkäuferin, dass bei einfachen Gläsern die Brille in 60 Minuten fertig sein könnte. Schwups war eine gekauft. Dafür musste Reik einen Zug später fahren, was aber bei der kurzen Fahrstrecke nicht das Problem darstellte.
Der Abend wurde dann gemeinsam bei unserem Freund, dem Sushimeister, verbracht. Es war ein kleines Jubiläum, wir waren zum 5. Mal anwesend. Aus nicht bekannten Gründen kam ich zur Ehre eines Spezial-Menüs. Höhepunkt war eine Sendaier Spezialität namens Hoya. Alles war sehr lecker. Die Anderen mussten nicht darben und wurden genauso mit Leckereien verwöhnt. Nachdem berichtet wurde, dass wir im Brauereimuseum waren, durfte ich verschiedene Sakesorten probieren.
Es war wie immer ein essenstechnischer Höhepunkt unserer Reise.

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