Tag 10 – Hiroshima und das Wetter

Wieder einmal wurde die Reiseplanung über den Haufen geschmissen. Schuld: das Wetter. Da wir uns jetzt in der Regenzeit befinden, das war kalkuliertes Risiko, kam heute nun der Tag des großen Regens. Es regnete den ganzen Tag, mal mehr, mal weniger stark. Dabei hat es uns noch gut getroffen, nur 2 Stunden Zugfahrt südlich von Hiroshima ist das Ganze als Taifun mit Starkregen angekommen. Auch die Region mit unseren eigentlichen Zielen war stark betroffen und wie sich einen Tag später herausstellte, hätten wir Schwierigkeiten gehabt, wieder zurück nach Hiroshima zu kommen.

Also war guter Rat teuer. Wir entschieden uns, mal auf individuelle Planungen umzusteigen.  Gruppe 1 fuhr nach Miyajima und Gruppe 2 besuchte das Friedensmuseum und schoppte.  Da ich persönlich die Ziele schon kannte und etwas Neues sehen wollte, entschied ich mich für eine Stadtrundfahrt mit dem Loopbus. Es stellte sich heraus,  dass der Bus mit dem JR Pass kostenlos genutzt werden konnte.

Die erste Station zum Ausstieg war der Shukkeien Garten. Das ist ein japanischer Wandelgarten. Es werden viele unterschiedliche Pflanzen gezeigt,  von Blumen, über Sträucher,  Bäume und Nutzpflanzen. Den Atombombenabwurf überlebte nur ein Ginkobaum, wenn wir die Texte richtig übersetzt haben. Der Rest der Anlage aus dem Jahr 1620 wurde zerstört und dann später wieder aufgebaut.

Im Zentrum der Anlage befindet sich ein Teich mit mehreren kleinen Inseln. Drum herum befindet sich ein Rundweg mit eingebauten Hügeln und Tälern. Ausserdem gibt es mehrere Pavillons und Gartenhäuser, die zum Ausruhen einladen. Typisch Japan, um einen Pavillon zu betreten,  muss man seine Schuhe ausziehen. Ein Pavillon ist in den Teich reingebaut. Und scheinbar haben die im Teich lebenden Koi-Karpfen und Schildkröten eine Alarmglocke, denn sie kamen sofort angeschwommen und „kämpften“ um die besten Plätze, in der Hoffnung, Futter zu bekommen. Es ist eine sehr imposante Anlage. Leider ließ der immer stärker werdende Regen keine längere Erkundung zu, so dass wir nach 90 Minuten abbrachen. Als Entschädigung gab es dann erst einmal Matcha Tee und Mochi. Das ist immer wieder ein Genuss.

Eine Episode am Rande, aus der Rubrik Japan: Man unterscheidet bei den Toiletten nach Japanstyle (im Boden eingelassene Schüssel zum Hinhocken) und Westernstyle (bekanntes Stand WC).  Froh darüber, im Garten eine Toilette im Westernstyle gefunden zu haben, klappte das Hinsetzen mit meinen langen Beinen nicht. Der Architekt hatte versagt, denn der Abstand zwischen der Klobrille und der Wand betrug max. 20 cm. Ich machte mir dabei vor Lachen im wahrsten Sinne des Wortes fast in die Hose.

Nach ein bisschen Sightseeing aus dem Bus wurde noch der Toshugo Schrein besichtigt. Man musste natürlich erst einmal viele Stufen hinauf laufen. Auf dem Areal angekommen, erblickte man einen schönen, alten Schrein. Hinter dem Gebäude ging es durch viele Tori weiter hoch in den Wald, zu mehreren anderen kleinen Schreinen.  Da man mit Regenschirm laufen musste, war dieser Anstieg für meine deutsche Normgröße sehr beschwerlich,  da man nur gebückt lief. Deshalb wurde der weitere Aufstieg abgebrochen.

Mit Orshis Freundin Melinda verließ die erste Person unsere Reisegruppe.  Sie wurde von Orshi und Reik zu einem Nachtbus gebracht, der in einem anderen Ort abfuhr. Um da hinzukommen, wurde ein Shinkansen genutzt. Und das fast Unfassbare geschah: Wegen des Taifuns im Süden kamen die Züge mit Verspätung an. Dadurch wurde fast der Bus verpasst,  der schon losfahren wollte. Auch der Rückweg für die Beiden nach Hiroshima gestaltete sich schwierig, so dass wir ohne das junge Ehepaar ins Restaurant gegangen sind. Sie stießen später dazu. Warum ich das erzähle? Wir sind nicht verhungert, konnten Getränke und Essen bestellen.  Klar haben wir dabei Glück gehabt,  dass der Kellner des Englischen etwas mächtig war. Aber ich will nur allen Mut machen,  die kein Japanisch verstehen und sprechen, hier verhungert keiner. Die bebilderten Speisekarten und Grundkenntnisse der englischen Sprache helfen schon. Natürlich ist es besser, wenn jemand Japanisch kann, deshalb auch vielen Dank an Orshi und Reik für Ihre Hilfe und Geduld beim Bestellen! Schließlich musste die Speisekarte immer in Deutsch, Englisch und Ungarisch übersetzt werden. Und mach das mal bei einer hungrigen und ungeduldigen Meute!

1 comment on Tag 10 – Hiroshima und das Wetter

  1. Wieder äußerst interessante Be-
    richte!
    Laßt Euch nicht vom Regen ärgern !
    Hier werden heute ca. 35 Grad
    erwartet …..???
    Das Toilettenerlebnis stellen wir uns
    gerade bildlich vor ????
    Liebe Grüße an alle !!

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