Hachinohe – 29.12.2016

Heute verließen wir Sendai in Richtung Hachinohe. Zur Abwechslung geht es für 2 Tage in ein Hotel mit einer Onsen. Onsen ist die japanische Bezeichnung für heiße Quelle. In so einem Hotel gibt es für Frauen und Männer getrennte Bäder, in denen das Wasser aus einer heißen Quelle kommt. Der Japaner kommt hier her, um Wellnessurlaub zu machen.

Ja, Hachinohe,  wie kommt man auf diese Stadt ganz im Norden der Insel Honshu? Reik hat sie bei einer seiner Erkundungstouren entdeckt und immer davon geschwärmt. Und als während der Planung für diesen Urlaub das Thema Onsen anstand, fiel der Name Hachinohe.

Die Anfahrt war planerisch nicht einfach, da wir den japanischen Urlaubskalender nicht beachtet hatten. Dort heißt es, zum Jahreswechsel geht es zur Familie nach Hause. Entsprechend sind die Fortbewegungsmittel ausgelastet. Wir gingen also vier Tage vor der Fahrt zum Schalter am Bahnhof, um Sitzplatzkarten zu holen, denn die Shinkansen sind auf der Strecke komplett reservierungspflichtig. Letztes Angebot war laut Bahner ein Zug um 6:40 Uhr. Da schauten sich vier Leute verdutzt an. Am nächsten Tag gingen wir zu einem anderen Bahnhof hin, um eine neue Anfrage zu starten. Jetzt gab es zwei Karten für einen Zug um 11 Uhr und zwei Karten für einen Zug um 15 Uhr. Naja, nicht so früh, war unser Argument. Bei einem Gespräch bei einem JR Service Center kam das Wort Stehplatzkarte auf. Wir stehen zusammen in der Kurve, kam mir der Fußballsong in den Sinn. Nein, im Zug braucht man auch eine Stehplatzkarte. Also holten wir zwei Stehplätze für den 11 Uhr Zug. So konnten wir nun gemeinsam unsere Reise antreten.  Wir Männer stellten uns dann freiwillig hin. Die Fahrt dauerte schließlich nicht einmal so lange wie ein Fußballspiel. Auf dem Bahnhof war ein Gewusele wie beim Schlussverkauf. Ein Blick auf deine Anzeigetafel verriet, dass ca. 5 Züge pro Stunde die selbe Fahrtrichtung hatten. Alle waren ausgebucht. Macht pro Zug gut 1.500 Sitzplätze und nochmal ca. 100 Stehplätze. Und das ist nur eine Fahrtrichtung. Irre! Wahnsinn! Die DB würde das nicht beherrschen, sage ich als Bahner (bevor wieder Kommentare kommen).

Im winterlichen Hachinohe angekommen, fuhren wir als erstes zum Kabushima Schrein am Meer. Das Wetter war leider nicht so gut, es war windig und regnerisch, aber wir spazierten trotzdem hin. Und da angekommen passierte etwas, womit wir nicht gerechnet haben: Ein Schrein ist wegen Bauarbeiten geschlossen. Schade. So konnten wir nicht die Anhöhe erklimmen und uns umsehen. Orshi holte sich für Ihr Tempelbuch die obligatorische Eintragung ab. Tempelbuch,  was ist das? Hier wird bei jedem neuen besuchten Tempel von den Mönchen eine Eintragung in Kalligraphieschrift vorgenommen. Diese beinhaltet den Tempelnamen, das aktuelle Datum und das Motto des Tempels. Dazu kommen noch mehrere Stempel. Und wenn alle Seiten ausgefüllt sind, kann man einen stolzen Japaner sehen. Orshi hat schon die Hälfte des Buches voll. Und was passierte nun hier? Meine liebe Ilka fängt an, Sie möchte auch so ein Buch. Das hier angebotene ist so schön. Und das sagt sie in der Mitte des 5. Urlaubs! Das Buch hätte schon voll sein können! Egal, sie hat ihr Exemplar bekommen und ist nun auch auf Jagd nach Eintragungen. Riecht so, als ob das wohl nicht der letzte Urlaub hier sein wird.

Nach diesem Ausflug ging es zum Hotel. Schließlich sollen die Vorzüge der Onsen genutzt werden. Nach einem guten japanischen Essen ging es also ins Bad, wie gesagt,  Frau und Mann getrennt. Für den Weg vom Zimmer zum Bad bekommt man übrigens einen Hausanzug. Nach dem Entkleiden geht es zum Waschen. In mehreren Reihen gibt es Waschplätze mit einer Handdusche, einer Schüssel, Shampoo aller Art, Rasierzeug und einem Hocker davor, um sich richtig zu reinigen,  bevor man das Bad aufsucht. Im Bad gibt es mehrere Becken mit unterschiedlich heißem Wasser von 38 bis 42 Grad. Ja, man merkt den Unterschied von zwei Grad bei den einzelnen Becken. Ich hätte nicht gedacht, dass man so feinfühlig ist. Und dann kann man noch an die frische Luft gehen, wo es auch ein Becken gibt. Aber der Weg dorthin, die 10 m nackig laufen bei Außentemperaturen unter dem Gefrierpunkt, sind hart. Für die Pause zwischen zwei Bädern hat man noch Liegen zum Ruhen. Mir reichte 1 Stunde,  der Japaner ist länger und mehrmals am Tag hier. Zwischendurch holt er sich noch eine Massage ab, so dass er wieder fit für den Alltag ist.

Zurück im Zimmer ging es in das weiche, schöne Bett. Denkste,  ein Futon liegt auf dem Boden! Dichte, isolierte Fenster sind ein Fremdwort. Also muss die Klimaanlage ballern, damit einem auf dem harten Boden süsse Träume kommen.

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