Nagoya – 04.01.2017

Da Nagoya doch mehr zu bieten hat, als wir vorher vermuteten, und uns die Stadt gefällt,  beschlossen wir heute, sie weiter zu erkunden. Eine gute Möglichkeit durch Nagoya zu fahren ist die Subway. Mit einem Tagesticket für 740 Yen (rund 6 €) ist die Sache sehr preiswert. Zuerst ging es zum Atsuta-jingū (熱田神宮) Schrein. Er ist einer der 3 wichtigsten Shinto Schreine in Japan. Verwundert waren wir schon,  dass die Subway sehr gut gefüllt war. Raus aus der Zielstation mussten wir nur im Strom mitschwimmen. Es wurde immer voller auf der Straße und erst recht, als wir in den Park mit dem Schrein abbogen. Sportlergruppen, Abteilungen aus Firmen,  Schulklassen, Großfamilien, alle pilgerten in Richtung Schrein. Am Brunnen, wo man sich Hände und Mund reinigt bevor man den Schrein betritt, gab es für Japan ein völlig unbekanntes Chaos. Vor dem eigentlichen Schrein war eine riesige Schlange. Und hier muss ich zu einem Punkt etwas sagen, bei dem ich immer noch nicht weiß, ob ich es gut oder schlecht finden soll: Die deutsche Kirche kann hier jedenfalls lernen. Das Neujahrsgebet ist in meinen Augen eine Gelddruckmaschine. Um zu diesem Schrein hinzukommen, muss man 1.000 Yen Eintritt bezahlen. Jeder der Anwesenden zieht aus einer Trommel oder einem Gefäß mit einem kleinen Loch einen Schein mit dem Horoskop für das Jahr, den es für 200 Yen gibt. Wenn das Horoskop nicht so gut ausfällt, werden diese Zettelchen dann an Bäumen, Sträuchern oder extra dafür aufgestellten Leinen angehängt. Es waren hunderttausende Zettelchen allein in diesem Schrein. Und mit zig anderen Sachen,  wie Glücksbringern, ab 300 Yen meist aufwärts, wird ein großer Umsatz gemacht. Selbst für das Verbrennen der Glücksbringer aus dem letzten Jahr wird ein Obolus fällig. Die erforderlichen 1.000 Yen pro Person und die lange Schlange vor dem Schrein nervten so, dass wir auf die Besichtigung verzichteten. Wir konnten leider den Schrein nicht einmal aus der Ferne sehen. Zumindestens die Tempelbücher bekamen ihren Eintrag, der allerdings auch immer 300 Yen kostet. Der Weg aus dem Park war mit vielen Imbissen vollgepflastert. Da gab vom süssen bis zum herzhaften Imbiss alles. Da es aber noch früher Vormittag war, gingen wir ohne Kostprobe raus aus dem Park.

Auf ging es zum nächsten Tempel, es gibt ja in jeder Stadt mehrere davon. Es ging weiter zum buddhistischen Osu Kannon Tempel (大須観音, Ōsu Kannon). Dieser Haupttempel der Shingon Chisan Sekte liegt mitten im Stadtgebiet. Hier waren zwar auch viele Menschen unterwegs, aber bei weitem war nicht so ein Chaos wie am vorherigen Schrein. Auf der einen Seite ging der Weg direkt über in eine überdachte Einkaufspassage, über die wir den Tempel dann verließen.

Auf dem Weg zur Subway kamen wir an einem kleinen Schrein vorbei.  Neugierig wie wir sind, schauten wir ihn uns natürlich an. “Höhepunkt” der Besichtigung war der Kniefall einer unserer Damen ganz nach dem Vorbild ihrer Schwiegermutter – man schaue nach rechts, laufe geradeaus die Treppe hoch und schon macht es plums. Vorweg gibt’s Entwarnung, es gab keine Verletzungen. Wir Männer standen erstarrt da, können aber nicht erklären,  ob es wegen dem Plums war oder dem entsetzten Aufschreien der rumstehenden Japaner. Jedenfalls war ein älterer Herr als erstes da, um Hilfe zu leisten. Da es gleich Entwarnung gab, atmeteten alle, ob Familie oder rumstehende Japaner, tief durch.

Mit der Subway ging es zum letzten Tempel für heute,  dem Kōshō-ji (興正寺)Tempel. Hier wählten wir den Zugang durch einen Park. Die Stufen und die Steigungen nutzen Sportler gerade zum Intervalltraining. Herr Keller vom FCM lässt grüßen. Die Tempelanlage ist sehr schön angelegt. Nachdem man durchs Tor geschritten ist, steht man vor einer größeren Buddha Statue. In deren direktem Hintergrund steht eine sehr schöne  alte fünfstöckige Pagode. Dahinter erstrecken sich der Schrein, ein kleiner japanischer Garten und einige weitere Gebäude. Auf der rechten Seite steht oben auf einem Berg ein neueres Tempelgebäude mit einem künstlichen Wasserfall. Neben den obligatorischen Treppen zu dem Gebäude hoch gibt es als Novum,  jedenfalls haben wir es noch nicht gesehen, eine Rolltreppe. Insgesamt zählt die Anlage für mich zu den schöneren Anlagen, die wir besucht haben. Prädikat empfehlenswert.

Nach den vielen Tempeln und Schreinen war unser Bedarf für heute gedeckt. Wir fuhren in die Stadt zum shoppen. Dabei besuchten wir einen Laden für Kameras, wo es Neuware gibt, aber auch gebrauchte Sachen. Ein sehr großes Angebot, auch für meine Kamera der Marke Pentax, steht zur Auswahl. Nur gut, dass ich nicht alleine war, sonst hätte ich bestimmt noch länger rumgestöbert.

Beim Bummel durch die Innenstadt sind wir dann noch auf den futuristischen Busbahnhof gestoßen. In luftiger Höhe kann man auf dem Glasdach spazieren gehen. Und zur Krönung befindet sich dort noch ein Brunnen.

Nach den vielen Besichtigungen hatten wir uns ein gutes Abendbrot verdient. Wir suchten ein Restaurant aus, wo es von allem etwas gibt, egal ob Fisch, Huhn, Schwein oder Rind. Mein Wunsch nach gegrilltem Fisch wurde mit 3 mir unbekannten Fischnamen beantwortet. Was nimmt man da? Ich entschied mich gefühlsmäßig nach dem Klang des Namen für den Richtigen. Der Fisch sah zwar nicht hübsch aus, aber hatte festes, leckeres weißes Fleisch.

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